Wilhelm Tell

Warum die Mitglieder der neu gegründeten Kompanie 1909 den Namen des schweizerischen Freiheitshelden und Tyrannenmörders gaben, ist nicht überliefert. Wollten die Lintorfer etwa ein Zeichen im stark autoritär regierten wilhelminischen Kaiserreich setzen? Wahrscheinlich aber folgten sie nur dem Zeitgeist, der Wilhelm Tell zu einer populären Figur jener Jahre am Beginn des 20. Jahrhunderts machte.

Wilhelm Tell ist ein sagenhafter schweizerischer Freiheitskämpfer. Er soll an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert in der Innerschweiz gelebt haben. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist Tell der Nationalheld der Schweiz. Doch wird seine historische Existenz in der Geschichtsforschung durchaus bezweifelt.

Die Tell-Legende erzählt von dem habsburgischen Landvogt Gessler zu Altdorf, der den schweizerischen Untertanen befahl , einen auf einer Stange steckenden Hut zu grüßen, wenn sie an ihm vorüber gehen. Wilhelm Tell, ein weithin bekannter Armbrustschütze, verweigert den Gruß, und der Vogt befiehlt ihm daraufhin, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Walter zu schießen. Sein Kind müsse andernfalls mit ihm sterben. Tell tut widerstrebend, wie ihm geheißen und trifft den Apfel. Gessler fragt ihn dann, wofür der zweite Pfeil gewesen sei, den er zu sich gesteckt hatte. Tell erklärt dem Vogt, dass dieser für ihn bestimmt gewesen sei, hätte er den Apfel nicht getroffen. Der Vogt lässt Tell daraufhin gefangen nehmen, um ihn auf seine Burg nach Küssnacht zu überführen. Auf dem Vierwaldstättersee gerät das Schiff bei Sturm in Seenot. Tell wird freigelassen, um das Boot sicher ans Ufer zu steuern. Als sie das Ufer erreichen, springt Tell von Bord auf eine hervorragende Felsplatte, welche noch heute Tellsplatte heißt. Er eilt über das Gebirge nach Küssnacht, erwartet den Vogt in einem Hohlweg, der Hohlen Gasse, und erschießt ihn aus sicherem Versteck mit der Armbrust.

Die Sage vom Apfelschuss ist eine uralte germanische Volkssage mythischen Ursprungs und kommt in anderem Gewand auch in der persischen, dänischen, norwegischen, der altnordischen Thidrekssaga und der isländischen Heldensage, der Edda, vor. In Letzterer wird der Held Egil genannt, von dessen Sohn, König Orentel, Tell vielleicht den Namen erhalten hat. In der dänischen Variante heißt der Held Toko. In der Schweiz ist die offenbar schon vor 1400 im Volk verwurzelte Variante dieses Mythos von den Chronisten des 15. Jahrhunderts zur Ausschmückung der Befreiungssage übernommen worden.